Weilburg_Wappen_1

In den Jahren 1703 bis 1711 wurde der Marktplatz in seiner heutigen Form angelegt. Dies erfolgte nach den Plänen des Baumeisters Rothweil im Zusammenhang mit der Neuanlage des gesamten Stadt- und Schlossbereichs unter Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg. Dazu war der zuvor in diesem Bereich vorhandene Haus- und Hofbestand niedergelegt worden, wozu auch das alte Hospital, die 1604 gegründete Mädchenschule und das alte Rathaus gehörten. Den Bürgern wurden die in der Vorstadt vorsorglich neu errichteten Häuser zu günstigen Bedingungen als Entschädigung angeboten. Optischer Mittelpunkt des fast quadratisch angelegten Platzes ist der Neptunbrunnen. Die Ostseite wird von der Stadt- und Stadt- und Schlosskirche mit dem alten Rathaus in der Südwestecke des Bauwerks beherrscht. Dreizehn einheitlich gestaltete, zweigeschossige, verputzte Bruchsteinbauten mit Walmdächern begrenzten die anderen Seiten des Marktplatzes. Die Mitte der von zwei Wohneinheiten gebildeten Doppelhäuser wurde durch ein Zwerchhauspaar und vier rundbogige Arkaden im Erdgeschoss betont. Die architektonische Einheit wurde noch durch umlaufende Sockel, Stockwerk- und Traufgesimse verstärkt. An der Nordseite des Marktplatzes stehen die Häuser 1 und 3. Im Haus Nr. 1 befand sich ab 1924 der Druckereibetrieb der Zeitung "Weilburger Tageblatt". Die Büroräume der Weilburger Lokalredaktion befinden sich dort noch heute. Die Zeitung gehört zu der vom Verlagshaus Wetzlardruck herausgegebenen "Zeitungsgruppe Lahn-Dill" und wird in Wetzlar gedruckt. Über dem Eingang befindet sich noch das Wappen des Gasthauses "Zur Krone". Das alte Gebäude der "Krone", die erstmals 1664 erwähnt wird, wahrscheinlich aber älter ist, war bei der Neuanlage des Marktplatzes abgerissen worden, zusammen mit den Häusern in denen sich die Gasthäuser "Einhorn" und "Ochse" befanden. Neben der Krone, in dem Eckgebäude zur Schlossgasse, befand sich - vermutlich ab Mitte des 18. Jahrhunderts - das Gasthaus "Zum Ritter". Das Haus Nr. 3, die rechten beiden Hausachsen, gehören zu dem eigenständigen, schmalen Bau an der zum Schloßplatz führenden Schloßgasse. Die Häuser 2 bis 10 begrenzen die Westseite des Marktplatzes. Während Haus Nr. 2 noch die verbliebene rechte Hälfte eines Doppelhauses darstellt, wurden die originale linke Hälfte dieses Doppelhauses, Haus Nr. 4 und die rechte Hälfte des danebenstehenden Doppelhauses, Haus Nr. 6, abgerissen und durch dreistöckige Wohnhäuser ersetzt. Das Haus Nr. 4 entstand 1906 und besitzt einen reich geschnitzten und mit Stuckdekor ausgestatteten Wanderker, das Haus Nr. 6 wurde bereits 1880 erbaut und beherbergte die "Löwenapotheke" (bis 2004). Der Säulenbalkon im ersten Geschoss wird von drei Löwenstandbildern getragen. Um 1900 erfolgte im Haus Nr. 8 ein Ladeneinbau mit neuen Segmentbogenöffnungen und einem übergiebelten Eingang. Zwischen den Häusern 8 und 10 befindet sich der von den beiden Häusern überbaute Durchgang zur Bogengasse. Das Haus Nr. 10 gehörte einst Reichsfreiherr Christian Vollrad von Watzdorf, fürstlicher Forst-, Stall- und Hofmeister. Später erwarb der Färbermeister Martin Moser das Gebäude (1836) und dessen Sohn Christian eröffnete 1839 "Mosers Weinstube", ein renommiertes Lokal, das bis etwa 1960 bestand. Zu dem Haus gehört eine Hofanlage mit Wirtschaftsgebäuden in dem Bereich zwischen Bogengasse und Schulgasse. Die Toreinfahrt zur Hofanlage mit (vermauerter) Fußpforte befindet sich in der Schulgasse. Als Eckhaus zur Marktstraße und der an seiner Rückseite liegenden Schulgasse schließt an der Südseite das Haus Nr. 12 an. Um 1900 entstand im linken Teil ein Ladenbau. Die früher vermutlich vorhandenen Arkaden sind geschlossen. Die Südseite des Marktplatzes zwischen Pfarrgasse und Marktstraße begrenzen die Häuser 5, 7, 9, 11 und 13. Von den drei äußerlich gleich gestalteten Doppelhäusern war vermutlich das mittlere Gebäude, Haus Nr. 9, schon immer eine Einheit. Dieses Haus war Wohnsitz der Schwester Maria Christiana des Grafen Johann Ernst. Im Hauptgebäude befindet sich ein großes Vestibül mit repräsentativem Treppenaufgang. Zum Haus gehört ein dahinterliegender Hofbereich mit Wirtschaftsgebäuden, Remisen und Pferdestall, neben dem eine Durchfahrt zur Pfarrgasse führte. Dem Hofbereich schließt sich eine Gartenterrasse an und an deren Ende ein kleiner Gartenpavillon, der vermutlich um 1728 entstanden ist. Im Haus Nr. 13 ist seit 1712 die historische Amtsapotheke "Zum Engel" ansässig, die 1666 als Hofapotheke gegründet wurde. Die klassizistische Einrichtung der Engelapotheke aus dem Jahr 1819 wird im Bergbau- und Stadtmuseum gezeigt.